Aktuelles vom Ringwall Otzenhausen

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Neuer Ringwall Wegweiser erschienen!

Ein neuer Wegweiser zu den wichtigsten Stationen in und um die Keltenfestung Ringwall von Otzenhausen ist ab sofort erhältlich.

Der Autor, Dr. Thomas Fritsch ist seit 1999 Leitender Archäologie der Forschungsgrabungen auf dem Ringwall Otzenhausen und versierter Kenner der Materie.

Interesse am neuen Ringwallführer? - Unter der Rubrik "zu kaufen" können sie ihn bestellen....

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Geheimnisvolle Kelten                                                             Forum,   Heft 43, 21.10.2016

Eine der keltischen Münzen, die bei Ausgrabungen am Hunnenring in Otzenhausen gefunden wurden.

Ein Bauer stolperte vor 110 Jahren während der Feldarbeit bei Nonnweiler über keltische Funde. Heute ist das Gräberfeld eine der spannendsten Ausgrabungsstätten im Saarland. Und könnte sogar eine wissenschaftliche Lücke schließen.

Es ist ein warmer Spätsommertag, kein Wölkchen trübt den blauen Himmel nahe Nonnweiler-Bierfeld. Thomas Fritsch, Doktor der Archäologie, kniet im braunen Achselshirt und kurzer Hose vor einer quadratischen, etwa ein mal ein Meter großen Öffnung in der Erde. Neben ihm im leichten Hemd und ebenfalls kurzer Hose, einen legeren Strohhut auf dem Kopf: Ralf Gleser, Professor für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie an der Uni Münster. „Wir haben hier ein spätkeltisches und frührömisches Gräberfeld“, sagt Fritsch und deutet auf die Grube vor ihm und schließlich auf das Gelände um ihn herum. Von zwei Pavillons vor der Sonne geschützt, graben auf dem nur wenige Quadratmeter großen Bereich mehrere Studenten mit kleinen Kellen, Schaufeln und Pinseln im Boden. Ein Bauzaun grenzt die Grabung provisorisch ab, drumherum Wiese und viel, viel Wald. Hier wollte einst im Jahre 1906 ein Bauer sein Feld umpflügen und stieß dabei zufällig auf vorgeschichtliche Funde. Der Landwirt erkannte, was ihm da unter den Pflug gekommen war, stoppte seine Feldarbeit, brachte verschiedene Objekte zu Tage und meldete alles ordnungsgemäß dem damaligen Provinzialmuseum. „Die Angaben, die der Bauer gemacht hat, waren relativ genau“, sagt Ralf Gleser. Ein Glück für die Archäologen.

Es dauerte dann rund 108 Jahre, bis Thomas Fritsch und Ralf Gleser mit ihrem Team diese Wiese genauer unter die Lupe nahmen und auf das keltische Gräberfeld stießen. Die Wissenschaftler förderten bei den ersten Grabungen im Sommer 2014 viel Interessantes zutage, unter anderem die Waffen eines keltischen Kriegers. Bereits ein Jahr zuvor fanden die Ausgräber 70 Gefäße in einem einzigen Grab und in der letzten Ruhestätte einer Frau eine kleine eiserne Dose, ein seltener Fund.

 

Zeitlicher Übergang von den Kelten zu den Römern

Vor Kurzem sind die beiden Wissenschaftler nach Bierfeld zurückgekehrt, haben an einer anderen Stelle angefangen die Erde aufzugraben, wohl wissend, dass sich hier noch viel mehr vor ihnen verbirgt. „Letzte Woche stand ich hier mit dem Bagger“, sagt Fritsch und blinzelt nach oben in die grelle Sonne. „Es war ganz schön heiß.“ Fritsch ist Projektleiter der Ausgrabungen am Ringwall in Otzenhausen,

 

Thomas Fritsch (links) und Ralf Gleser auf Spurensuche. - Foto: Jennifer Weyland

bei dieser klaren Sicht heute ist die Anhöhe der früheren keltischen Befestigungsanlage in der Ferne gut erkennbar. „Die Bevölkerung, die hier lebte, gehörte zum Einzugsgebiet der Festung“, erklärt er. Fritsch und seine Kollegen wollen wissen, wie die Menschen damals hier gelebt haben. Die Gräber werden es ihnen verraten, denn die Begräbnissitten geben auch Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten. Interessant für die Wissenschaftler ist vor allem das Zeitfenster, in das diese Begräbnisstätte eingeordnet werden kann. „Wir haben hier den zeitlichen Übergang von den Kelten zu den Römern“, sagt Fritsch. Es waren die Jahre, als Julius Cäsar die keltischen Gebiete besetzte und sich die Kulturen miteinander vermischten.

Ralf Gleser ist besonders begeistert von einem bestimmten Fund: Hand-Drehmühlen zum Mahlen von Getreide. Fragmente davon haben er und sein Team hier freigelegt. Eine seltene Entdeckung. „Diese Kultur hier ist lokal sehr differenziert“, sagt Gleser und schiebt seinen Hut ein wenig nach hinten. „Das ist top interessant.“ Für ihn ist wissenschaftlich so spannend, dass auch römische Amphoren zusammen mit den keltischen Getreidemühlen in einem Grab gefunden wurden. Für Gleser schließt das eine Forschungslücke. „Bisher hat man diese beiden Objektgruppen nur zusammen in keltischen Heiligtümern gefunden.

 

Gefäße als Grabbeigabe. - Foto: WWU Münster / Terrex gGmbH

Und nun haben wir hier ein Totenritual, das auf ähnliche Weise anscheinend funktioniert hat. Das Gräberfeld bei Bierfeld ist bisher der einzige Ausgrabungsort, bei dem man Drehmühlen in vielen Gräbern nachweisen konnte.“ Offenbar hat diese Bevölkerungsgruppe dieses Ritual ganz besonders intensiv ausgeübt, fügt Gleser hinzu. Der Professor glaubt, dass die Menschen während des Bestattungsrituals Mehl gemahlen und dieses dann in Feuer, Wasser oder Wein gestreut haben. „Sie haben vermutlich versucht, daraus zu deuten. Ähnlich wie Kaffeesatzlesen.“

Sicher kann man nicht sein, die Kelten benutzten so gut wie keine Schrift. Dass die Getreidemühlen nicht für die Verstorbenen als Beigabe gedacht waren, erkennt Gleser daran, dass sie absichtlich zerschlagen wurden und die Fragmente dann in der Einfüllerde „über dem Bestattungshorizont“, also eine Ebene über dem eigentlichen Grab, gefunden wurden.

Doch welche Zeichen wollten die Menschen damals deuten? Gleser kann nur Vermutungen anstellen.

 

Bruchstück einer Bronzefibel. - Foto: WWU Münster / Terrex gGmbH

„Die Gräber wurden in der Zeit des gallischen Krieges und kurz danach angelegt“, sagt er. „Die Bestattungsgemeinschaft war wie diejenigen vieler anderer keltischer Siedlungen sehr im Stress. Die Menschen waren in einer historischen Umbruchsituation.“ Durch das Fehlen von Schriftquellen sei man auf „behutsame Interpretationen“ angewiesen.

Bei manchen Grabstellen auf der Wiese nahe Bierfeld sind die Archäologen noch am Anfang. Maybritt Peters und Laura Edelhoff arbeiten dagegen an einer Stelle, die schon einiges preisgibt. Die jungen Frauen studieren Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie an der Uni Münster und absolvieren hier ein Praktikum. In „ihrem“ Grab sind verschiedene Gefäße deutlich zu erkennen. Maybritt Peters bearbeitet eines davon vorsichtig mit einer kleinen Kelle, schabt den Sand ab, hält kurz inne, prüft, schabt weiter. „Eine schöne Abwechslung zwischen theoretischer und praktischer Arbeit“, sagt sie. „Aber man braucht Geduld.“ Sie lacht. „Wenn man sowas findet, das ist echt cool“, meint ihre Kommilitonin Laura Edelhoff. „Das löst Begeisterung aus. Und in einem gewissen Maße Faszination.“ Die beiden Studentinnen sind im achten Semester und könnten sich beide vorstellen, später einmal in einem Museum zu arbeiten.

Die Steine sind Teile eines Mühlsteins. - Foto: Jennifer Weyland

Nur zwei Schritte von ihnen entfernt ist das Grabungsteam vor ein paar Tagen zunächst nur auf einen Haufen Steine gestoßen. Die wurden vermutlich als Schutz auf das Grab gelegt, eine seltene, aber nicht unübliche Praxis. In der Regel sind die keltischen Brandgräber alle ähnlich angelegt, erklärt Thomas Fritsch. „Es wurde eine Grube ausgehoben und eine Holzkiste eingesetzt. Darin wurden dann die verbrannten Knochen in einem organischen Behälter deponiert, die Beigaben drumherum, zum Beispiel Gefäße mit Nahrung, Schmuck, Waffen.“ Dann schüttete man das Grab mit Erde zu.

An diese Holzkiste oder das, was von ihr übrig ist, wollen die Archäologen ran. Doch zunächst müssen die Steine bearbeitet werden. Eine Mitarbeiterin legt sie sorgfältig mit einem Pinsel frei, Stückchen für Stückchen wird die Erde weggewedelt. Es tauchen Fragmente eines Vorratsgefäßes auf, und wieder ist ein Stück eines Mahlsteins zu erkennen. „Der hatte etwa 40 Zentimeter im Durchmesser und wurde bewusst zerschlagen“, erklärt Fritsch. Sein Kollege Gleser ergänzt: „Wenn etwas geopfert wurde, dann wurde es im Laufe des Rituals zerstört. Damit das Ritual funktioniert.“ Komplett erhaltene Gegenstände waren sogenannte Weihegaben. „Entweder ein Geschenk an die Verstorbenen oder an eine Gottheit“, so Gleser.

   Schriftdokumente wären ein Traumfund

Die Kelten faszinieren den Professor für Ur- und Frühgeschichte schon seit jeher. „Sie bilden in Mitteleuropa genau die Schnittstelle zwischen der reinen Vorgeschichte des Homo Sapiens und dem historischen Menschen.“ Für Gleser, der von sich selbst sagt, „philosophisch unterwegs“ zu sein, ist die Frage besonders spannend, wann der Mensch „zum Mensch“ geworden ist.

 

Alles wird genau dokumentiert. - Foto: Jennifer Weyland

„Das Besondere an den Kelten ist das Erwachen des spezifischen historischen Bewusstseins.“ Diese „vorhistorischen Wesen“ faszinieren den Professor, vor allem, weil die Kelten schon Kontakt zu Kulturen pflegten, die dieses Bewusstsein hatten, wie zum Beispiel Griechen und Römer. Glesers Traum wäre es, in einem keltischen Grab Schriftdokumente zu finden, beispielsweise eine Bronzeplatte. „Da sollte dann draufstehen: Ich bin der und der und habe das und das gemacht.“ Da die Kelten zwar Schrift so gut wie nie verwendeten, diese aber dennoch kannten, wäre ein solcher Fund also nicht ganz ausgeschlossen, aber bis dato einmalig und eine Sensation. Bis dahin bleiben Gleser und seinen Fachkollegen nur Interpretationshypothesen

Die Ausgrabungsstätte bei Bierfeld. - Foto: Jennifer Weyland

Insgesamt drei Wochen haben die Archäologen Zeit, das Gräberfeld zu untersuchen, die Grabstellen zu vermessen, zu fotografieren, Zeichnungen anzufertigen, die Funde zu dokumentieren. Das Geld für solche Projekte ist meist knapp, in diesem Fall helfen Gelder von der Gerda Henkel Stiftung, die Forschungen im Bereich der Geisteswissenschaften unterstützt. Die Funde werden dann dem Landesdenkmalamt übergeben und wissenschaftlich veröffentlicht. Auch eine Ausstellung ist geplant.
„Drei Wochen ist eine gute Zeit“, sagt Gleser. Er wirkt zufrieden. Der Professor, der schon keltische Wagengräber freigelegt hat und bei Ausgrabungen in Bulgarien Goldfunde machte, blickt gespannt auf die kleinen Brandgräber. Noch ist nicht alles freigelegt, noch wissen die Experten nicht, was unter der nächsten Schicht auf sie wartet.

Doch egal, was sie finden, es wird sie ein Stück weiterbringen, einen Beitrag leisten, wie Gleser sagt, „auch zur Frage des Menschsein“.

Von Heike Sutor

 

Info:

Goldene Schmuckstücke und eine kleine Figur aus dem Grab der keltischen “Fürstin” in Reinheim. - Foto: picture-alliance / akg-images / Erich Lessing — Patrick Neu (3)

Kelten: Bevölkerungsgruppe der Eisenzeit in Europa, entwickelte sich etwa 800 v. Chr. mit der sogenannten Hallstatt-Kultur zwischen Ostfrankreich und Österreich. Im Saarland lebten ab etwa 450 v. Chr. in der sogenannten Latène-Kultur die keltischen Gruppen der Treverer und Mediomatriker. Im 1. Jahrhundert v. Chr. eroberten die Römer das Saarland, die Kulturen vermischten sich. Die Kelten lebten vor allem von Ackerbau und Viehzucht (Rinder, Pferde, Schweine) und betrieben Handel mit anderen Völkern, vor allem mit Eisen, Zinn, Salz, Holz, Flachs, Wolle, Waffen, Werkzeugen, Prunkwagen, Textilien und Schuhen. Ihre Toten bestatteten sie ausschließlich in aufwendig gebauten Gräbern. Zahlreiche Fürstengräber der frühen Kelten (6. und 5. Jahrhundert v. Chr.) sind aus dem Saarland bekannt, so in Schwarzenbach, Theley, Wallerfangen, Weiskirchen und Reinheim. Das Besondere der Kelten der Spätzeit (1. Jahrhundert vor Christus) im Saarland und im nördlich anschließenden Bereich von Rheinland-Pfalz ist eine ausgeprägte Funeral-Kultur in Form von zahlreichen Brandgräberfeldern, die häufig auch in der frührömischen Periode weiter benutzt wurden. Vergleichbares ist andernorts in Deutschland nicht vorhanden. Außer in Bierfeld gibt es beispielsweise in Wustweiler, Mainzweiler, Perl und Oberleuken Belege dafür. In Rheinland-Pfalz sind solche Gräberfelder unter anderem in Hoppstädten-Weiersbach, Wederath und Horath gefunden worden. Es sind wichtige Quellen für archäologische Forschungen, insbesondere zur Romanisierung.

Porträt: „80 Prozent spielt sich im Büro ab“

Mit 13 Jahren wusste Dr. Thomas Fritsch schon, dass er Archäologe werden möchte. Heute ist der Leiter des Grabungsprojekts „Hunnenring“ in Otzenhausen ein Experte der keltischen Lebensweise und hat darüber sogar einen Jugendroman geschrieben.

Auf der Suche nach Archäologen muss man sich in die Natur wagen – jedenfalls in diesem Falle. Denn dort auf einer saftig grünen Wiese, umringt von altem Wald, knien die Historiker im Dreck. Die Sonne scheint an diesem Spätsommertag gnadenlos auf die in einem kleinen Areal arbeitenden Studenten und Archäologen hinab. Einer von ihnen ist Dr. Thomas Fritsch. Mit festem Schuhwerk, kurzer Hose und Muskelshirt ist er bestens auf die Hitze vorbereitet. Die Brille auf den Kopf geschoben und die Hände in die Hüfte gedrückt, leitet er gerade die Studenten der Uni Münster an.

Auf allen vieren legen die Auszubildenden Sandkorn für Sandkorn mit Pinseln und kleinen Spachteln Fundstücke frei, die auf den ersten Blick für Laien nach einfachen Felsbrocken aussehen. Doch Fritsch erklärt, dass es sich hierbei um ein typisches Keltengrab handelt. Eines von vielen auf dem riesigen Feld. Seit Jahrhunderten haben die keltischen Ruhestätten nicht mehr das Licht der Welt erblickt. Jetzt ändert sich das. Die Fachleute möchten die Lebensweise der antiken Gesellschaften verstehen und graben dafür die quadratischen Gräber aus.

Mosaikstück für Mosaikstück, so der 54-jährige Fritsch, möchte er das Lebensbild unserer Vorfahren zusammensetzen und Vergleiche zu heute ziehen. Eine Sisyphusarbeit, wie er verrät. Erst einmal auf dem Feld selbst, das ihnen drei Wochen zur Verfügung steht, und dann noch einmal am Schreibtisch. Dort verbringt er – entgegen des allgemeinen Irrglaubens, der durch Filme wie Indianer Jones in unseren Köpfen verankert ist – die meiste Zeit seines Arbeitslebens. „80 Prozent unserer Arbeit spielt sich im Büro ab“, bekräftigt Fritsch, der schon mit 13 Jahren wusste, dass er Archäologe werden möchte. Dort müssen die Fundstücke der kurzweiligen Ausgrabungen ausgewertet, dokumentiert, gezeichnet, interpretiert und chronologisiert werden. Anschließend werden, im besten Falle, zu den Funden Publikationen für die Fachwelt verfasst. Dafür wünscht sich der Schwarzenbacher eindeutig mehr Zeit. Die bleibt leider häufig auf der Strecke. Durch seine Arbeit bei der Terrex gGmbH, einer gemeinnützigen Gesellschaft des Landkreises St. Wendel (www.terrexggmbh.de), die die Entwicklung der beiden archäologischen Grabungsprojekte keltischer Ringwall „Hunnenring“ Otzenhausen bei Nonnweiler, sowie römischer Vicus „Wareswald“ bei Marpingen, Oberthal und Tholey fördert, muss er nicht nur selbst mit dem Pinsel hantieren, sondern entwickelt in ihrem Auftrag auch Bildungsmöglichkeiten und touristische Angebote.

Der Forscher begutachtet ein Brandgrab in Bierfeld. - Foto: Jennifer Weyland

Ein Ergebnis dieser Arbeit ist der Keltenpark in Otzenhausen, der auf der Grundlage archäologischer Funde der Region gestaltet wurde. Das Tätigkeitsspektrum des Archäologen reicht dabei von Vorträgen und Workshops bis hin zum Bierbrauen. „Für ein Keltenfest musste ich schon einmal eine Brauerei überreden, für uns keltisches Bier zu brauen“, erzählt Fritsch und lacht.

Mit den Kelten kennt sich Fritsch heute, nach 16 Jahren als Projektleiter des Hunnenrings, bestens aus. „Sie sind mittlerweile zu meinen absoluten Lieblingen geworden“, erklärt er. Promoviert hatte er eigentlich über Jungsteinzeit und Bronzezeit im Saar-Mosel-Gebiet. Für sein starkes Interesse macht er nur den Fokus seiner Arbeit verantwortlich und ist sich sicher, dass es auch hätte anders kommen können.

380 Fundstellen liegen noch rund um den Hunnenring

Und dennoch dominieren die Kelten mittlerweile nicht nur seine Arbeitswelt, sondern auch sein Privatleben. Einen Jugendroman über die Keltenzeit hat er bereits verfasst, die Fortsetzung sei heiß begehrt, wie er verrät. Die Idee für den Plot ist schon da, nur an der Zeit mangelt es bisher. Vielleicht hat er davon demnächst etwas mehr. Denn für sein zweites Hobby geht langsam der Platz aus: „Privat fertige ich Holzarbeiten an. Skulpturen“, erzählt er. Alles, was mit den Kelten zu tun habe. Lebensgroß. „Mittlerweile wird der Platz wirklich eng“, erzählt er und lacht. „Man kann sich natürlich keine 20 lebensgroßen Statuen ins Wohnzimmer stellen.“ Davon wäre seine Ehefrau bestimmt auch nicht begeistert.

Genau wie im Privaten, so ist er auch im Berufsleben voll beschäftigt und ausgelastet. Rund um den Ringwall wird dem Vater einer 13-jährigen Tochter die Arbeit so schnell nicht ausgehen. Ganz im Gegenteil. Die alte Festungsstätte war damals Lebensmittelpunkt vieler Menschen. Dort fanden die Märkte statt. Dort wurde Recht gesprochen. Dort konnten die Menschen Zuflucht und Schutz suchen. Deshalb befinden sich im Umkreis von mehreren Kilometern rund um den Hunnenwall auch heute noch die Überreste zahlreicher Gehöfte und Gräber. Insgesamt 380 Fundstellen konnte man – auch mittels geomagnetischer Untersuchungen – entdecken. „Dabei beschränkte sich unser Interessensgebiet nur auf bis zu acht Kilometer rund um den Ringwall“, verrät Fritsch. Jahrzehnte haben Forscher hier noch zu tun, wenn man bedenkt, dass in den letzten 16 Jahren nur sieben Fundstellen in Angriff genommen werden konnten. Bei einer dieser Ausgrabungen entdeckten Fritsch und seine Kollegen eine wahre Sensation für die weltweite Fachwelt. Auf eben diesem Keltenfriedhof, auf dem auch am heutigen Tag Ausgrabungen stattfinden, fand man vor wenigen Jahren ein außergewöhnliches Grab. „Das war eines der bedeutendsten Gräber der letzten Jahrzehnte“, erklärt Fritsch. Im Grabschacht der etwa 50 vor Christus verstorben Frau fanden die Wissenschaftler ein Schatzgefäß aus Keramik. Eine Grabbeigabe, randvoll mit Schmuck. Zahlreiche Stücke aus Bronze, Eisen, Glas. Die Gesamtheit der Ausstattung, die Schmuckstücke und die Vielfalt waren alles andere als gewöhnlich, manche Stücke seien schon zum Todeszeitpunkt der Frau über 200 Jahre alt gewesen, verrät Fritsch.

Nicht immer gelingt es den Forschern, solch grandiose Funde zu machen. Obwohl das Saarland „für Archäologen sehr interessant“ ist, wie Thomas Fritsch begeistert erzählt. Das ist auch einer der Gründe, warum es ihn nach seinem Studium an der Saarbrücker Universität nicht in die weite Welt zog. Fritsch: „Ich musste einfach nie in die Ferne, um mein berufliches Interesse zu befriedigen.“

Rebecca Maaß

Info:

Studium der Archäologie

An der Universität des Saarlandes bieten die Fächer Alte Geschichte, Klassische Archäologie, Klassische Philologie, Vor- und Frühgeschichte gemeinsam den Bachelor-Studiengang (BA) Altertumswissenschaften an. Im Anschluss kann man das Studium mit einem Master-Studiengang fortsetzen. Der Bachelor-Studiengang Altertumswissenschaften unterliegt aktuell keinen Zulassungsbeschränkungen. Die Aufnahme des Studiums ist zum Winter- und Sommersemester möglich. Für die Zulassung zum Master-Studiengang Altertumswissenschaften sind je nach Fächerwahl bestimmte Zugangsvoraussetzungen zu erfüllen.

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Sondierungsgrabungen an einer gallorömischen Siedlungsstelle im oberen Primstal

Im oberen Primstal findet sich auf der mittleren Hangterrasse in SO Lage unweit des heutigen Eulensees bei Nonnweiler ein siedlungsgünstiger Lage ein durch Oberflächenfunde bereits seit längerer Zeit bekanntes Bodendenkmal. Die Mikroregion ist geprägt durch eine windgeschützte, sonnenbegünstigte Lage. Eine unmittelbare Quelllage begünstigte zudem die Wasserversorgung unmittelbar am Fundort.

Nur 2,5km NO liegt der keltische Hunnenring bei Otzenhausen entfernt. Die gallorömischen Nachfahren der einstigen keltischen Bewohner des Oppidums errichteten mit dem Eintreffen der römischen Eroberer eine dorfähnliche Ansiedlung ( vicus) zu Füßen der Festung.

Unterstützt durch ein zweiwöchiges Grabungscamp der Europäischen Akademie Otzenhausen und die "d´Georges Kayser Altertumsfuerscher" aus Luxemburg fand im August/ September 2015 die erstmalige Untersuchung des bislang unerforschten Denkmals in Nonnweiler, Flur "Spillert" durch die Terrex gGmbH statt. Vorausgegangen waren geophysikalische Untersuchungen der WWU Münster im Frühjahr 2015. Diese ermöglichten eine exakte Lokalisierung einiger Gebäudebereiche, welche wiederum als Grundlage der Ausgrabung dienten.

Mit Hilfe der bis zu 25 köpfigen Grabungsmannschaft wurden zahlreiche Sondagen angelegt, die einer exakten Lokalisierung der Anlage, der Größenbestimmung und der Datierung sollten. Zudem sollte versucht werden durch Erkenntnisse zur Strukturierung einen Hinweis auf die Funktion des / der Gebäude zu erlangen.

Bei den Untersuchungen konnten mehrere, bis zu 90cm breite Mauerfundamente aufgedeckt werden, die alle zu einem größeren Gebäude von mindestens 20x15m Größe gehören. Da bislang lediglich eine einzige Hausecke erfasst wurde, kann mit einer wesentlich größeren Ausdehnung gerechnet werden.

Die schlechte Erhaltung des bis auf das Fundament abgetragenen Mauern dürften auf der Tatsache beruhen, dass die Örtlichkeit in früheren Zeiten als Steinbruch für Hausbauten innerhalb des modernen Dorfes Nonnweiler dienten.

Lediglich die erhaltene Hausecke wies auch noch einen intakten Fußboden mit Estrich auf. Funde von tönernen Bodenplatten und Hypokaustziegeln lassen auf eine aufwändigere Gestaltung des Gebäudes schließen.

Die während den Untersuchungen gemachten Funde beinhalten in der Masse keramische Relikte. Zumeist Gebrauchsgeschirr von Kochtöpfen und Vorratsgefäßen, dabei Amphoren und Flaschen prägen das Typenspektrum. Gepaart mit Resten von Mahlsteinen aus Eifelbasalt und Konglomeratgestein erschließt sich das Bild eines Wirtschaftbereiches. Wenige Funde höherwertiger Keramiken wie Firnisware und terra sigillata lassen vermuten, dass der eigentliche herrschaftliche Bereich des Anwesens noch nicht erfasst wurde. Er dürfte in einem anderen, bislang noch nicht ergrabenen Bereich des Gebäudes zu vermuten sein.

Der Fund eines zerschmolzenen Bronzeklumpens und des Fehlgusses einer bronzenen Schöpfkelle lassen eine Bronzewerkstätte vor Ort vermuten.

Die Keramiken weisen dem Gebäude eine Nutzungsphase vom 2. Jh. bis in das späte 4. Jh. nach Chr. zu.. Jene Zeitspanne, die durch die Erhebung der nur 30km entfernten Stadt Trier zu römischen Metropole geprägt war. Zufällig ist auch die einzig gefundenen römische Münze, ein Denar der Flavia Maxima Fausta, Ehefrau Konstantins I.

Es war aber auch jene  Periode die den beginnenden beginnenden Niedergang des römischen Reiches einläutete. Die damit verbundenen, zunehmenden Beutezüge germanischer Horden könnten auch für das Ende der Fundstelle am "Spillert" ausschlaggebend gewesen sein. Verbannte Dachziegel deuten jedenfalls auf ein Ende des Gebäudes mittels eines Brandes hin.

 

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