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Anschauliche gallo-römische Geschichte 16.06.2009 00:06

Viele Besucher beim Grabungsfest im Wareswald

Anschauliche gallo-römische Geschichte

Schaukämpfe und Römergeschichte(n) zum Anfassen waren Höhepunkte des Grabungsfestes im

Wareswald zwischen Tholey und Oberthal. Es zog am vergangenen Sonntag rund 300 Besucher an.

Volker Schmidt als Kelten-Krieger Duodorix. Fotos (2): dia-saar.de

Tholey. Retiarius Cerberus kannte keine Gnade. Obwohl nur rund ein Drittel der Zuschauer dafür war, die vor dem Gladiator kniende Kämpferin Provocatrix Medusa zu töten, hob der Gladiator das Schwert und visierte den Nacken der Gegnerin an. Obwohl er zustach, floss kein Blut. Vielmehr bedankte sich das Publikum mit einem Applaus für die gelungene Show der Gladiatoren-Gruppe Ludus Nemesis. Ihre Schaukämpfe waren Höhepunkte des Grabungsfestes im Wareswald zwischen Tholey und Oberthal, zu dem am vergangenen Sonntag rund 300 Besucher kamen.

Gegenber der gallo-römischen Ausgrabungstelle, wo einst eine antike Siedlung stand hatten die vier Gladiatoren von Ludus Nemesis ihre kleine Arena aufgebaut. Die Kampffläche begrenzten Strohballen.Die Zuschauer, die sich die drei Aufführungen der Gruppe anschauten, waren nicht nur fasziniert vom Klirren der Schwerter. Sie wollten auch mehr über die geschichtlichen Hintergründe der römischen Berufskämpfer wissen. "Die Gladiatoren waren Stars ihrer Zeit", sagte Provocatrix Medusa alias SvenjaGrosser aus Hamburg. Da die Veranstalter für den Verlust eines Gladiators eine finanzielle Entschädigung zahlen mussten, sei in der Antike auf den Todesstoß oft verzichtet worden. Auf die Frage, warum alle Gladiatoren von Ludus Nemesis nur eine Beinschiene tragen, ging Wolfgang Müller aus Blieskastel in Kampfhaltung. Er stellte den linken Fuß mit dem Schienbeinschutz nach vorne und hielt ein Eisenschild darüber. So waren nicht nur seine Beine geschützt, sondern auch der Bauchraum sowie Herz und Lunge.

Dass es wichtig war, einigermaßen heil aus den Kämpfen zu kommen, machte ein Besuch am Stand vonOliver und Gerhild Teske klar. Die Hessen informierten über antikes Badewesen sowie antike Heilkunde.

Ein paar Schritte weiter führte Hanno Rudolphy, der Chefkoch des Tabliniums im Schaumbergbad, in die römische Kost ein. Auf dem Tisch vor ihm standen Schalen mit Getreidekörnern, die die römischen Soldaten selbst mahlen mussten. Koriander, Fenchel und Kreuzkümmel hätten die Römer auch verwendet,um streng riechendes Fleisch zu überwürzen, so Rudolphy. Wie leicht hatten es dagegen nebenan die Kinder, die auf dem Grabungsfest Stockbrot übers Feuer hielten, und es nach einer viertel Stunde essen konnten.

"Die Römer waren Zocker", sagte Dieter Blass aus Theley, der ein weißes Gewand trug. Auf einem Tisch standen unter anderem Spiele, die auch heutzutage noch bekannt sind. Beispielsweise hatten die Römer gewürfelt oder sich mit Mühle die Zeit vertrieben. "Es muss gallo-römischer Wareswald heißen", sagte der Archäologe und Projektleiter Klaus-Peter Henz. "95 Prozent waren damals Gallier." Folgerichtig präsentierte der Freundeskreis keltischer Ringwall Otzenhausen auch keltisches Handwerk. Aus Dudweiler war Volker Schmidt angereist. Er stellte den Kelten-Krieger Dudorix dar. Auf die Frage, warum er nicht mit den Gladiatoren kämpfe, antwortete er: "Gegen die hätte ich keine Chance."

Kampfvorführung der Gladiatoren beim Grabungsfest im Wareswald.

Alle Rechte vorbehalten.

Veranstaltungen im römischen “Vicus Wareswald” 2010

27. Juni - 02. Juli 2010: Archäologisches Grabungscamp
"der gallo-römische Vicus im Wareswald".

Infos und Buchung unter:
www.enjoy-archeology.de

27. Juni 2010: Grabungsfest im Wareswald. Römische Kunst und römisches
Handwerk u.v.m.
 

29. August - 03. September: Wie aus Kelten Römer wurden. Archäologische
Exkursionen ins Dreiländereck Saarland-Lothringen-Luxemburg incl.
praktischer Grabungstätigkeiten.

Infos und Buchung unter :
www.enjoy-archeology.de

Erschienen:19.06.2009 / SZR / WND_LOK / CLOK40_1

Ressort:Lokales Textname:wd-1906-camp.ART Verfasser:Von SZ-Mitarbeiter

Heiner Micansky

Erfasser:HHEMPEL

Schätzen auf der Spur

Touristen graben nach römischen Fundstücken

Derzeit beteiligen sich zehn „Archäologie-Touristen“ aus Österreich und Deutschland an den Ausgrabungen im Wareswald. Das Grabungscamp gehört zum Reise-Angebot von Enjoy Archeology.

Von SZ-Mitarbeiter

Heiner Micansky

 

Tholey. Renate Zirl kniet auf dem Boden. Mit einer kleinen Kelle trägt die Grazerin vorsichtig eine Erdschicht ab. „Ui, schau mal“, sagt die Österreicherin zu ihrer Tochter Henriette und hält in der Hand ein Fundstück. „Das gehört zu einem Tellerchen“, erklärt Klaus-Peter Henz, der Terrex-Projektleiter „Römischer Vicus Wareswald“. Dort graben in dieser Woche zehn „Archäologie-Touristen“ aus Österreich und Deutschland. Das Grabungscamp gehört zum Reise-Angebot von Enjoy Archeology (Genieße Archäologie) von Heike Diekmann.

Projektleiter Henz betrachtet das Fundstück in seiner Handfläche und sagt: „Das ist archäologisch komplett.“ Davon spreche der Fachmann, wenn mehr als die Hälfte eines Artefaktes erhalten sei und man die Form vollständig rekonstruieren könne. So lernen die Grabungstouristen im Wareswald zwischen Tholey und Oberthal sowohl die praktische als auch die theoretische Seite der Archäologie kennen. Im Laufe der Zeit füllen sich die Eimer der Gäste immer mehr mit antiken Scherben, römischen Nägeln oder Schlacke. „Sie machen das sehr sorgfältig“, lobt Henz die zehn Touristen. Am Wareswald hätte man gute Erfahrungen mit den Hobby-Archäologen gemacht. „Wir fangen jetzt mal an, ein Profil anzulegen“, sagt Henz.

Neulinge und „alte Hasen“

Die alten Hasen, die schon mehrmals am sechstägigen Grabungscamp teilgenommen haben, wissen genau, was mit dem Fachbegriff gemeint ist. Neulingen erklärt der Archäologe die Methode, mit der die Schichtenfolge im Boden offengelegt wird. Zum ersten Mal dabei ist die Österreicherin Renate Zirl. Sie habe das Angebot „vor zwei Jahren im Internet“ entdeckt.

Zum dritten Mal nimmt Dieter Hofmeister aus Bielefeld am Grabungscamp teil. Die erste archäologische Reise ins Saarland sei ein Geburtstagsgeschenk seiner Frau Karin gewesen, erzählt der Archäologie-Begeisterte. Sie buchte das Camp in einem Reisebüro. Der Ostwestfale ist der Meinung, dass die „Praxis besser ist als Bücher“. Und zu Hause lässt Hofmeister Kinder an seinen Grabungserfahrungen teilhaben. Denn in der Bielefelder Stadtbibliothek hält er Vorträge für Mädchen und Jungen, denen er erzählt, was er im Wareswald getan hat. Dann gehen von Kinderhand zu Kinderhand auch römische Dachziegelstücke, die er im St. Wendeler Land entdeckt hat. Relevante Fundstücke bleiben selbstverständlich im Saarland. Die Teilnehmer des Grabungscamps schürfen nicht nur in der Erde, sondern zum Programm gehören unter anderem auch eine Führung durch die gallo-römische Siedlung im Wareswald und eine Exkursion zur Villa Borg.

Nächster Termin im August

Im kommenden August bietet Enjoy Archeology in Kooperation mit der Terrex die nächste Veranstaltung mit dem Übernachtungsort Tholey an. Thema der Archäologischen Exkursion ins Dreiländereck Saar-Lor-Lux: Wie aus Kelten Römer wurden.

Veranstaltungen im römischen “Vicus Wareswald” 2009

07.06 – 14.06. 2009:

Römische Woche der Gemeinde Tholey mit verschiedenen Veranstaltungen zu Antike und Archäologie

14.06.2009:

Großes Grabungsfest im Wareswald. Darstellung römischen Kunsthandwerks, römische Küche und römische Backwaren und vieles mehr

14.06. – 19.06. 2009:

Veranstaltet von „enjoy archeology“ in Zusammenarbeit mit der TERREX gGmbH:

Grabungscamp im Wareswald: Lernen Sie die Arbeitsweise der Archäologen kennen und nehmen Sie aktiv an den Ausgrabungen teil, mit Exkursionsprogramm.

Näheres unter www.enjoy-archeology.de

23.08- 29.08. 2009:

Wie aus Kelten Römer wurden – archäologische Exkursion ins Dreiländereck Saar-Lor-Lux  mit Einführung in die praktische Grabungstätigkeit.

3 Tage Exkursionen zu keltischen und römischen Fundplätzen im Dreiländereck, 2 Tage praktische Grabungstätigkeit im römischen Vicus Wareswald. Näheres unter www.enjoy-archeology.de

13.09.2009:

Tag des offenen Denkmals im Saarland. Programm für den römischen vicus Wareswald wird noch bekannt gegeben.

Grabungscamp im Wareswald vom 25.08-29.08.2008

Vom 25.08. bis 29.08. nahmen insgesamt 8 Personen aus ganz Deutschland am diesjährigen Grabungscamp im Wareswald teil.

Die Teilnehmer am Grabungscamp waren mit Begeisterung bei der Arbeit

Veranstaltet von „Enjoy archeology“  kamen sie aus Frankfurt und Hamburg, aus Sachsen und Rheinland-Pfalz. Die Teilnehmer nahmen aktiv an der Grabung teil, gewannen vielfältige Einblicke in die Arbeit der Archäologen und konnten sich darüber hinaus über großes Finderglück freuen.

Foto: Heinrich Heiles

Foto: Heinrich Heiles

Eine Silbermünze des Kaisers Trajan und eine Fibel waren die “Glanzstücke“unter den Funden

Abgerundet wurde die Woche durch Exkursionen zum keltischen Ringwall Otzenhausen und zur römischen Villa von Borg mit Besuch des großen Mosaiks von Nennig. Viele der Teilnehmer äußerten den Wunsch im nächsten Jahr wiederzukommen.

Neues aus dem Wareswald: vom 28.06.2008

Seit einer Woche läuft die diesjährige Grabungskampagne am Mars-Tempel im Wareswald.

Die Grabungen konzentrieren sich auf die Vervollständigung des Grundrisses des Gebäudes, das wahrscheinlich Anfang des 2.Jh. n. Chr. errichtet wurde.

Ein weiteres Ziel ist die teilweise Vervollständigung der Mauern, die lediglich noch Fundamentgraben zu erkennen waren, da die sorgfältig behauenen Steine in jüngerer Zeit als Baumaterial für neue Häuser benutzt wurden.

Die Untersuchungen ergaben, dass eine nordwestlich vor gelagerte Mauer mit rotem Verputz an der Außenseite zwar parallel zur Nordwestmauer des Kernbaues läuft, aber dennoch einer späteren Bauphase angehört.

 

Replik der Marsfigur aus dem Wareswald wieder zu haben:

Die schön gearbeitete Figur des Gott des Krieges, aber auch der Landwirtschaft, Mars, ist wieder in Kopie zu haben. Der sog. jugendliche, nackte Mars mit Helm und Helmbusch, ein Typ nur in den nördlichen, gallischen Provinzen vorkommend und in Italien unbekannt, ist ca. 6,5 cm hoch und steht auf einem Plexiglassockel mit Info-Schild. Preis 35,-(siehe auch unter der Rubrik: Zu kaufen)

Rückblick auf das Grabungsfest:

Es ist Zeit auf das Grabungsfest zurück zu blicken.

Auch römische Handwerkskunst konnten die Interessierten bewundern und der medicus gab fundierte Einblicke in die Welt des Arztes in römischer Zeit. Auch die Kelten vom Freundeskreis keltischer Ringwall Otzenhausen waren dabei und demonstrierten das Leben in keltischer Zeit. Kinder konnten mit Ton und Gips basteln, besonders beliebt war das Backen von Stockbrot über dem Feuer. Den ganzen Tag über gab es Führungen durch die Grabungsleitung.

Nachdem Landrat Udo Recktenwald das Fest eröffnet hatte, weihte er auch die neue Info-Tafel ein, die dem Besucher einen guten Überblick über das bisher gefundene bietet und zahlreiche Informationen liefert.

Landrat Udo Recktenwald bei der Enthüllung der neuen Infotafel

legionär

Höhepunkt der Veranstaltung waren sicherlich die Kämpfe der Gladiatoren, die in mehreren Aufführungen nicht nur über das Gladiatorenwesen informierten, sondern auch die Kampfesweise tatkräftig demonstrierten.

der Legionär der milites bedensis bewacht die neue Infotafel

Höhepunkt des Festes : die Gladiatoren kämpfen gegeneinander

Fürs Essen und Trinken war gesorgt und so klang das Fest am frühen Abend mit vielen zufriedenen Besuchern aus.

der römische Bäcker mit seinem Verkaufsstand

die „milites bedensis“ und ihre befreundeten Römer brachten neben römischem Essen und trinken auch das Modell einer römischen Kelteranlage mit.

...aus dem “Wareswald” vom 19.02.2008

Wissenschaftliche Aufarbeitung der Reliefs des Pfeilergrabmals geht weiter.

Nachdem im letzten Jahr Funde und Befunde des neu entdeckten Pfeilergrabmals auf einem internationalen Kongress der Universität Köln vorgestellt wurden und die Architekturglieder aufgearbeitet wurden, konnten nun in Zusammenarbeit mit dem Institut für Klassische Archäologie und Alte Geschichte der Universität des Saarlandes die relevanten Relieffragmente professionell fotografiert werden. Die Fotos, die vom Fotografenmeister des Instituts Dieter Morche und seinem Assistenten Sven Hartkorn angefertigt wurden, dienen als Grundlage für eine wissenschaftliche Publikation des bedeutenden Monuments und sind auch Grundlage für eine eventuelle Rekonstruktion des Pfeilers.

dieser Pinienzapfen diente als Bekrönung des Pfeilergrabmals

 

Es war aber auch jene  Periode die den beginnenden beginnenden Niedergang des römischen Reiches einläutete. Die damit verbundenen, zunehmenden Beutezüge germanischer Horden könnten auch für das Ende der Fundstelle am "Spillert" ausschlaggebend gewesen sein. Verbannte Dachziegel deuten jedenfalls auf ein Ende des Gebäudes mittels eines Brandes hin.

 

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