Projektkurzinfo

Der keltische Ringwall “Hunnenring“ von Otzenhausen

Mit der keltischen Festung, dem Ringwall „Hunnenring“ von Otzenhausen, erforscht die TERREX gGmbH eine  der bedeutendsten Festungsanlagen der Eisenzeit Europas (ab dem 8. Jahrhundert v. Chr.). Die Anlage diente als Macht- und Verwaltungszentrum seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. bis zu den Kriegen gegen die Römer unter Julius Caesar (58-51. v. Chr.)Mit 18,5 ha Innenfläche zählt sie zu den Anlagen mittlerer Größe.

Einzigartig ist jedoch der Festungsbau als solcher. Die 2,5 km langen Versturzwälle der ehemaligen Festungsmauern wurden aus rund 230.000 Kubikmetern Steine errichtet. Eine zunächst undefinierbare Größe, die aber, wenn man dies umrechnet, ein beeindruckendes Bild ergibt. Denn mit dieser Steinmasse hätte man rund 12.000 Einfamilienhäuser bauen, oder 20.000 Eisenbahnwaggons befüllen können. Eine schier unglaubliche Leistung unserer Vorfahren! Die heute noch 10m hohen und an der Basis 40m breiten Steinwälle zeugen von einer ehemaligen Höhe von ca. 20 Metern und ca. 25m Dicke.

Der Innenbereich war mit zahlreichen, in einer Art Fachwerktechnik erbauten, Gebäuden besiedelt. Hier wohnte die Bevölkerung der Burg. Ebenerdige Wohnhäuser wechselten mit auf Stelzen stehenden Vorratsbauten für die Lebensmittel ab. Allerlei Handwerksstätten wie die der Weber, Stellmacher,           Töpfer, Schmiede, Zimmerleute u.a. waren ebenso hier beheimatet.

Die Anlage stand jedoch nicht ohne Grund auf dem Dollberg bei Otzenhausen. Inmitten ihres Einzugsgebietes thront sie über zahlreichen anderen Fundstätten der Kelten. Ca. 250 Fundstellen aus keltischer und römischer Zeit zeugen vom intensiven Leben im Umkreis der Keltenfestung. So wissen wir, aufgrund zahlreicher Tagebaustätten, dass dort bereits zur keltischen Zeit Eisenerze abgebaut und verhandelt wurden. Dies führte zu einem gewissen Wohlstand, der sich vornehmlich in den Ausstattungen der Gräber widerspiegelt.

Die zahlreichen Gräberfelder mit ihren teils bedeutenden Funden erzählen vom Leben und Sterben der Bevölkerun. Besonders erwähnenswert sind hierbei die frühkeltischen Fürstengräber von Schwarzenbach. Die darin bestatteten Adeligen waren wohl auch die Herren der Burg. Inmitten ihrer Prunkausstattung wurden ihre Gebeine in Sichtweite der Festung begraben. Zur Demonstration ihres Wohlstandes im Jenseits hat man ihnen     zahlreiche wertvolle Beigaben mit ins Grab gegeben. Neben der Waffenausstattung waren dies vornehmlich Luxusgeschirr aus Bronze und Gold.

Der zwischen der Festung und den Fürstengräbern platzierte Tempelbezirk von Schwarzenbach bezeugt die religiösen Sitten und Gebräuche zur keltischen und auch späteren, römischen Zeit. Hier wurde den Gottheiten geopfert. Opfergaben wie Münzen, Weihefiguren u.a. belegen das religiöse Brauchtum.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten bildungstouristisch darzustellen ist eine weitere Aufgabe des Projektes. Auf Basis dieser Arbeiten werden seit Jahren Archäologieseminare für Interessierte angeboten. Workshops zu antiken Handwerken wie das Eisenschmelzen, Schmieden, Töpfern, Bogenbau, Schmuckherstellung etc. werden jährlich angeboten. Alle zwei Jahre findet unter Mitarbeit der TERREX gGmbH eines der größten keltischen Feste „CELTOI“ in Deutschland statt. Spezielle Kinder- und Schulklassenführungen gehören ebenso zum Angebot, wie kulinarische Angebote.

Für den spontanen Besuch bieten sich vor Ort der Archäologische Infoweg, oder aber – ab Herbst 2007 der Skulpturenpfad „Cerda&Celtoi“, sowie ein Kinder-Erlebnispfad an. Startpunkt aller Wege ist der Waldparkplatz  Otzenhausen, zu Füßen des Ringwalles.

Dr. Thomas Fritsch (Projektleiter)

Es war aber auch jene  Periode die den beginnenden beginnenden Niedergang des römischen Reiches einläutete. Die damit verbundenen, zunehmenden Beutezüge germanischer Horden könnten auch für das Ende der Fundstelle am "Spillert" ausschlaggebend gewesen sein. Verbannte Dachziegel deuten jedenfalls auf ein Ende des Gebäudes mittels eines Brandes hin.

 

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